Samstag, 16. Juni 2018, 18.00 Uhr, Alfred-Fischer-Halle

Le Sacre du Printemps

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Alexander Skrjabin: Poème de l‘extase op. 54
Peter I. Tschaikowsky: Violinkonzert D-Dur op. 35
Igor Strawinsky: Le Sacre du Printemps

Kirill Troussov, Violine
Nordwestdeutsche Philharmonie
Frank Beermann, Leitung

 

Am 29. Mai 1913 versetzte Igor Strawinsky Paris mit „Le Sacre du Printemps“ in Aufruhr. Tumulte erschütterten die Premiere – 27 Verletzte waren eine schaurige Bilanz. ­Claude Debussy sprach vom „Massacre du Printemps“. Die Folge für Strawinsky: Er wurde weltberühmt. Gravierender noch war: An diesem Abend begann auf den Champs-Elysées die Moderne.

Was war passiert? Sergej Diagilew, Impresario der gefeierten russischen Truppe „Ballets Russes“, gab bei Strawinsky ein Werk in Auftrag. Der 31-Jährige, bislang mit dem „Feuervogel“ und „Petruschka“ aufgefallen, legte eine Komposition vor, die fast ausschließlich auf Rhythmus setzt. Diagilews Geliebter, der Tänzer Waslaw Nijinsky, choreographierte das Stück um eine junge Frau, die in einem heidnischen Ritual dem Sonnengott geopfert wird und sich zu Tode tanzt.

Strawinsky fand dazu neuartige, kantige und stampfende Rhythmen. Diese radikale Abkehr von der Tradition und Hinwendung zum Rhythmus machte „Sacre“ zum Vorreiter des 20. Jahrhunderts, zum Bindeglied zwischen Klassik und Rock- und Pop-Musik. Der Erfolg war unaufhaltsam: Fast unisono wurde die „unglaubliche Qualität“ des Stücks gerühmt, „Sacre“ als Auftakt der musikalischen Moderne gefeiert.

Neu an Tschaikowskys Violinkonzert war vor allem, dass der berühmte Melancholiker in dieses Werk eine ganze Welt purer Lebensfreude hineinlegte, wie man es ihm nie zugetraut hätte. Prompt gelang dem ewig Zweifelnden ein großer Coup: Das Violinkonzert wurde zum meistgespielten seiner Werke.

Kirill Troussov, einst von Yehudi Menuhin gefördert und heute einer der international gefragtesten Geiger, spielt es im Klassik­Sommer. Und er spielt es auf einem besonderen Instrument: Seine Stradivari-Geige “Brodski” gehörte dem berühmten Geiger Adolf Brodski, dem Tschaikowskys sein Violinkonzert gewidmet hatte und der es auf der Violine, die heute Kirill Troussov spielt, 1881 mit den Wiener Philharmonikern uraufführte.

Alexander Skrjabin strebte nach dem Gesamtkunstwerk. Mit dem „Poème de l´extase“ vereinte er Wort und Ton: Das riesig besetzte Orchesterwerk – es steht in einer Reihe der Giganten-Werke mit Mahlers Sinfonie der Tausend und Strauss´ Alpensinfonie – vertont ein Gedicht gleichen Titels aus eigener Feder: „Der Geist, vom Lebensdurst beflügelt, schwingt sich auf zum kühnen Flug.“

Fotohinweis: Marco Borggreve

 

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